1 Juli 2008
Urstromtal
Geschrieben von reinxen under: Spezielle Talformen .
Urstromtal ist die Bezeichnung für ein breites Tal im Nordeuropäischen Tiefland, das durch die Schmelzwässer der Gletscher während der Eiszeiten geschaffen wurde. Die Urstromtäler verlaufen in ostwestlicher Richtung.
Zusammen mit den aus den südlich angrenzenden Mittelgebirgen kommenden Flüssen strömten die Schmelzwässer parallel zum Eisrand nach Westen. Die Mittelläufe von Weser, Elbe, Oder und Weichsel sowie deren Nebenflüsse gehören zu den großen Urstromtälern im Norden Deutschlands und Polens.
Urstromtäler sind breite Talniederungen im nördlichen Mitteleuropa, die in den Eiszeiten beziehungsweise in den einzelnen Stadien einer Eiszeit am Rande des skandinavischen Inlandeises gebildet wurden und durch das mehr oder weniger eisrandparallele Abfließen der Schmelzwasser entstanden sind. Sie zählen zur Glazialen Serie.
Wichtig für die Entstehung der Urstromtäler ist die Tatsache, dass die allgemeine Abdachung der Landschaft im Norddeutschen Tiefland und Polen von Süden nach Norden gerichtet ist. Das von Skandinavien kommende Inlandeis stieß gegen ansteigendes Gelände vor. Die Schmelzwässer konnten deshalb nur eine kurze Strecke auf den Sandern nach Süden fließen und mussten sich dann einen Weg parallel zum Eisrand, in Richtung Nordseebecken suchen. Die Nordsee lag damals aufgrund des deutlich niedrigeren Meeresspiegels trocken.
Als Bestandteil der Glazialen Serie verzahnen sich Urstromtäler an ihrem nördlichen Rand über weite Strecken mit Sanderflächen, über die dem Urstromtal Schmelzwasser zugeführt wurde.
Urstromtäler sind relativ einheitlich aus Sanden und Kiesen aufgebaut; die Korngröße kann aber stark schwanken. Vor allem in den oberen Abschnitten der Urstromtalsedimente dominieren feinere Sande. Die Mächtigkeit der Urstromtalsedimente schwankt ebenfalls stark, ist aber häufig bedeutend (mehr als 10 m).
Urstromtäler besitzen eine ausgedehnte, tischebene Talsohle, die zwischen 1,5 und 20 km breit ist. Die Talhänge hingegen sind nur wenige bis wenige dutzend Meter hoch. Die Sohle bzw. die Ränder eines Urstromtales können durch jüngere Prozesse, insbesondere durch das Austauen von Toteisblöcken oder das Aufwehen von Dünen stark verändert werden. In der Nacheiszeit sind viele Urstromtäler auf Grund ihrer tiefen Lage und des damit verbundenen hohen Grundwasserstandes vermoort.
Das Urstromtal selbst wird aus mächtigen Sanden aufgebaut, die mehr als 20 Meter Mächtigkeit erreichen können. Sie sind wertvolle Grundwasserspeicher und ermöglichen zum Beispiel die Selbstversorgung Berlins mit Trinkwasser. Die Oberfläche des Tales ist im Idealfall tischeben. Lediglich vereinzelt finden sich nur wenige Meter höhere Terrassen. Da aber das Eis während der Weichsel-Eiszeit deutlich weiter nach Süden vorstieß, bildeten sich durch die Schmelzwassertätigkeit im Berliner Urstromtal zahlreiche Toteiskörper, die nachfolgend austauten und heute Seen bzw. Moore bilden. Bekannt sind der Müggelsee und der Tegeler See. Andererseits wurden zum Ende der Weichsel-Eiszeit im Urstromtal ausgedehnte Dünen aufgeweht, die bis zu 30 Meter Höhe erreichen (Püttberge). Auch die jüngere Überformung durch die Spree war in einigen Teilen des Urstromtales, vor allem um Fürstenwalde, beträchtlich.
Das heutige Landschaftsbild des Berliner Urstromtales ist zweigeteilt: Während östlich Berlins bis zur Oder aufgrund des niedrigen Grundwasserstandes Kiefernforsten vorherrschen (Ausnahme: Spreeniederung), dominieren westlich Berlins feuchte Niederungen und Moorgebiete das Erscheinungsbild.
In dem Urstromtal, das recht große Schmelzwasserströme abführte, fließen heute die vergleichsweise kleinen Flüsse Spree, Dahme und weiter westlich die Havel. Da die Havel in ihrem Verlauf aber einer Glazialen Rinne folgt, quert sie lediglich das Urstromtal, ohne es über eine längere Strecke zu benutzen.
Da Urstromtäler generell (ob Sand oder Moor) mittelalterliche Verkehrshindernisse darstellten, bündelten sich die Handelswege bevorzugt an Engstellen, wo das Urstromtal vergleichsweise bequem zu durchqueren war. An einer der markantesten Engstellen des Berliner Urstromtales gründeten Händler die Stadt Berlin. Aber auch Müllrose und Fürstenwalde wurden an Engstellen gegründet.
1 Juli 2008 at 22:29.
Das Berliner Urstromtal entstand als Teil des Warschau-Berliner-Urstromtals am Ende der letzten Eiszeit, der Weichseleiszeit, vor rund 18.000 Jahren. Es war die Entwässerungsbahn der Schmelzwässer des Inlandeises zur Zeit der Frankfurter Eisrandlage, die etwas nördlich und nordöstlich von Berlin verläuft. Zusammen mit dem weiter südlich gelegenen Baruther Urstromtal bildete es sich im Brandenburger Stadium der Weichseleiszeit heraus. Auch wenn es seine Hauptformung während der Frankfurter Eisrandlage erfuhr, diente es auch noch beim weiteren Rückschmelzen des Inlandeises als Entwässerungsbahn in Richtung Nordseebecken.
Der Verlauf des Urstromtales lässt sich etwa durch die Linie Eisenhüttenstadt, Müllrose, Fürstenwalde/Spree, Berlin (Zentrum), Falkensee, nördlich von Nauen, Friesack beschreiben. Westlich des Städtchens Friesack vereinigt sich das Berliner Urstromtal mit dem Eberswalder Urstromtal, um noch weiter westlich bei Havelberg in das Elbe-Urstromtal einzumünden.
Das Tal wird im Norden und Süden von Platten begrenzt. Nördlich liegen die Grund- und Endmoränenplateaus Land Lebus, Barnim und Ländchen Glien, die wiederum weiter nördlich zum Eberswalder Urstromtal abfallen. Die südlichen Talbegrenzungen bilden die Beeskower Platte sowie die flachwelligen Plateaus Teltow und Nauener Platte, die allesamt aus eiszeitlichen Ablagerungen (vor allem Geschiebemergel und Sand) bestehen. Innerhalb des Urstromtales ragen einige kleinere Plateaus inselartig aus diesem hervor. Bekanntestes Beispiel sind die Müggelberge in Südosten Berlins. An mehreren Stellen, zum Beispiel zwischen Beeskower Platte und Teltow sowie zwischen Barnim und Glien münden kleinere Urstromtalungen in das Berliner Urstromtal ein. Dort ist die Grenze des Urstromtales unscharf.
1 Juli 2008 at 22:30.
Urstromtäler in Mitteleuropa
* Breslau-Magdeburg-Bremer Urstromtal; (Polen, Deutschland); entstanden in der Saaleeiszeit
* Glogau-Baruther Urstromtal; (Polen, Deutschland); entstanden in der Weichseleiszeit
* Warschau-Berliner Urstromtal; (Polen, Deutschland); entstanden in der Weichseleiszeit
* Thorn-Eberswalder Urstromtal; (Polen, Deutschland); entstanden in der Weichseleiszeit
* Als Elbe-Urstromtal bezeichnet man das Elbtal etwa ab der Höhe von Genthin bis zur Elbmündung bei Cuxhaven. Die Schmelzwässer der drei genannten weichselzeitlichen Urstromtäler flossen nacheinander durch dieses Tal in Richtung Nordseebecken.
* Umstritten ist die Bezeichnung Rheinurstromtal für das Rheintal von Düsseldorf bis zur Mündung in die Nordsee. Der Rhein diente zwar dort als Abfluss der Schmelzwässer während der Saaleeiszeit. Die Anlage des Tales ist jedoch deutlich älter und durch junge Tektonik entstanden.
* Im alpinen Vereisungsgebiet Mitteleuropas spricht man nicht von Urstromtälern. Die Donau und teilweise der Rhein führten dort die Schmelzwässer ab.
Teilabschnitte der genannten Haupttäler haben zum Teil eigene Namen erhalten. Das Lausitzer Urstromtal und das Aller-Urstromtal sind Teilstücke des Breslau-Magdeburg-Bremer Urstromtales. Baruther, Berliner und Eberswalder Urstromtal sind geläufige Kurzbezeichnungen für die betreffenden Urstromtalabschnitte in Brandenburg.
Zusätzlich zu den großen Haupttälern existieren zahlreiche kleinere Urstromtalungen. Ihr Erscheinungsbild gleicht zunächst den großen Urstromtälern. Sie sind aber wesentlich kürzer. Auch fehlt der Bezug zu einem Sander und einer Endmoräne.
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