30 Juni 2008
Trockentäler
Geschrieben von reinxen under: Spezielle Talformen .
Trockentäler in Norddeutschland und auf der Schwäbischen und Fränkischen Alb.
In heute feuchten Klimaten gibt es auch Trockentäler, wenn die Bedingungen, die zur Entstehung des Tales geführt haben, nicht mehr gegeben sind.
Diese entstanden, als im Eiszeitalter das Niederschlagswasser aufgrund des damals vorhandenen Dauerfrostbodens nicht versickern konnte und zum oberirdischen Abluss gezwungen war.
Trockentäler sind durch die Erosion des Wassers geschaffene Täler, die nur noch über temporäre oder gar keine Fließgewässer mehr verfügen.
Hauptgründe:
* Änderungen des Klimas, vor allem zunehmende Trockenheit (Aridität).
* In humiden Gebieten wird Wasser unterirdisch abgeführt. Zwei Prozesse führen zur Bildung dieser Täler: der Karst und die Bildung periglazialer Täler.
Allgemein sind Trockentäler Täler ohne Fließgewässer, die dennoch alle geomorphologischen Merkmale der Fluvialdynamik aufweisen.
Die häufigste Verbreitung von Trockentälern findet sich in den ariden und semiariden Regionen der Erde. Wadis in den Wüsten zählen ebenso dazu wie Arrojos oder Bajadas (spanisch), episodisch bis periodisch Wasser führende Schottertäler, oder die im Mittelmeergebiet weit verbreiteten Torrentes (italienisch), die nur nach starken Regenfällen oft den gesamten Talboden mit Wasser füllen.
Diese Erscheinungsformen zählen zu den so genannten intermittierenden Fließgewässern. In den mittleren Breiten tritt das Trockental als Vorzeitform vor allem als fossiles Schmelzwassertal der ehemals vergletscherten Gebiete in Erscheinung.
Ein weiterer Typ ist das trocken gefallene Umlauftal eines abgeschnürten Talmäanders, das den Umlaufberg umgibt. Das Trockental ist auch ein Hauptmerkmal von Karstgebieten. Durch die Tieferlegung der Erosionsbasis in durchlässigem Gestein ist der Grundwasserspiegel so weit gesunken, dass das Fließgewässer unterirdisch verläuft und die darüber liegenden Täler trocken fallen.
Die Täler in Karstgebieten können auch als Vorzeitformen entwickelt sein; in diesem Fall entstanden sie während der Eiszeiten, als der Untergrund gefroren war und keine Lösungsverwitterung im Kalk stattfinden konnte.
Ein Sonderfall sind die so genannten geköpften Trockentäler der Schichtstufenlandschaften (z. B. auf der Schwäbischen Alb). Diese Täler setzen am höher liegenden Rand der Stufe mit einer relativ großen Breite ein. Der Oberlauf des Tales, der einst vor dem heutigen Stufenrand lag, wurde durch rückschreitende Erosion bereits abgetragen.
Durch Menschen verursachte Trockentäler entstehen durch Eingriffe in den Wasserhaushalt infolge Trockenlegungen, Rodungen, Flussbegradigungen oder industrieller Wasserentnahmen.
30 Juni 2008 at 09:42.
Trockentäler in ariden und semiariden Gebieten
In den semiariden und niederschlagsarmen Gebieten sind Fließgewässer häufig nur in der Regenzeit oder bei Starkregenereignissen aktiv (intermittierendes Gewässer). Typische Formen sind etwa die Bajadas (amerikanisches Spanisch: zusammengewachsene Schwemmfächer), Arroyos (spanisch), oder Torrentes (italienisch: Sturzbäche und deren Schotterbetten), die etwa in Europa im Mittelmeerraum häufig sind.
In ariden Gebieten, die ehemals aber Niederschlag empfangen haben, fehlt Regen, so dass vorhandene Täler austrocknen. Bei den episodisch vorkommenden Regenfällen, die meist sehr heftig sind, werden sie kurzzeitig wieder reaktiviert. In Nordafrika und Vorderasien werden diese Trockentäler als Wadi bezeichnet. Sie transportieren das Regenwasser dann zum Teil über sehr weite Strecken, so dass immer wieder Wüstenbesucher, die sich der Gefahr nicht bewusst sind, in Wadis ertrinken.
30 Juni 2008 at 09:43.
Karst-Trockentäler
Die unterirdische Entwässerung ist ein Charakteristikum des Karstes, so dass Trockentäler zum Formenschatz des Karstes gezählt werden. Durch (meist großräumige) tektonische Bewegungen wird ein wasserlösliches Gestein (zum Beispiel Kalkstein, Gips, Salz) angehoben und gelangt in den Bereich des Grundwassers bzw. direkt an die Erdoberfläche. Die Entwässerung erfolgt zuerst oberirdisch. Durch die Löslichkeit des Gesteins und das Eindringen des Wassers an vorhandenen Klüften kommt es auch im Untergrund zur Lösung und damit zur Bildung von Höhlen. Tieft sich der Vorfluter ein, wird der Grundwasserspiegel ebenfalls tiefer gelegt. In diesem Bereich kommt es dann verstärkt zur Bildung von Höhlen und zunehmender Verlagerung der Entwässerung in den Untergrund.
Anfangs nimmt die Wassermenge im Fließgewässer ab (Beispiele für Flüsse mit Versickerungsstrecken: Donauversickerung, Loneversickerung, Oberlauf des Doubs / Loue Quelle, Französischer Jura). Die Versickerungsflächen oder Risse im Kalkgestein werden größer und nehmen die Formen von Ponoren an. Ist dann das Karstsystem (unterirdische Wassergangs- oder Höhlensysteme) groß genug, um das Fließgewässer die meiste Zeit des Jahres vollständig aufzunehmen, wird nur bei großer Wassermenge etwa durch Hochwasserereignisse in Folge von Starkregen oder bei Schneeschmelze das Wasserbett reaktiviert (“Hungerbrunnen” auf der Alb). Schließlich verlagert sich das Fließgewässer vollständig in den Untergrund, das ehemalige Tal ist ganzjährig trocken. Eine Besonderheit sind Täler, die trocken bleiben, weil ein Fließgewässer mit großer Reliefenergie in eine andere Richtung durchbrach und ein neues Abflusstal schuf und damit das alte Bett trocken fallen ließ (vgl. Flussanzapfung).
In Deutschland gibt es Trockentäler zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb, der Fränkischen Alb oder dem südöstlichen Schwarzwald, z.B.:
ständig trocken:
* das Wental (Albuch, Ostalb),
* das Hasental, ein Urstromtal des Miozäns, oberhalb des Filsursprungs (Mittlere Schwäbische Alb),
* das Aitrachtal (unterer Teil der Ur-Wutach/”Feldbergdonau” im Schwarzwald),
intermittierend:
* das Hungerbrunnental (Ostalb).
30 Juni 2008 at 09:43.
Periglaziale Trockentäler
Die Bildung der in Mitteleuropa sehr weit verbreiteten periglazialen Trockentäler fand unter eiszeitlichen Klimaverhältnissen mit Permafrostboden statt.
Das durch temporäres Auftauen oberflächennaher Schichten („active layer“, s. Kryoturbation) entstehende Schmelz- und Niederschlagswasser wurde durch die versiegelnde Wirkung des gefrorenen Untergrunds zum oberflächlichen Abfluss gezwungen. Ausgeprägte Gelifluktion (“Bodenfließen”) an der wasserdurchtränkten Landoberfläche und die Sedimentverfrachtung durch Schmelzwasserabfluss bildeten in der Landschaft Mulden und Täler aus.
In nachfolgenden Warmzeiten begann durch Auflösung des Permafrostbodens wieder die Versickerung des Flusswassers in den durchlässigen oder klüftigen Untergrund, so dass periglaziale Täler trocken fallen konnten.
Ein Beispiel sind die Rummeln im Fläming.
Rummel werden im Hohen Fläming auffällige schluchtartige Trockentäler genannt. Über die genau Herkunft dieses merkwürdigen Namens gibt es verschiedene Ansichten. Wahrscheinlich stand eine heute veraltete Bezeichnung für eine Rinne oder Schlucht Pate.
Die Rummeln entstanden während der letzten Kaltzeit, der Weichseleiszeit. Die Gletscher erreichten in dieser Periode nicht mehr den Fläming. Es herrschten damals jedoch im Fläming ähnlich Bedingungen wie heute im Norden Sibiriens. Der Boden war ganzjährig gefroren und zur Schneeschmelze konnte das Tauwasser nicht versickern. Es sammelte sich in den Senken zu reißenden Bächen, welche die heutigen Täler der Rummeln in den gefrorenen Boden spülten. Das ist jetzt mehr als zehntausend Jahre her.
Heute sind die Rummeln eher sandig und trocken, und dennoch – bei starkem Regen fließt hier manchmal wieder überraschend Wasser. Ein Anwohner berichtete, daß vor wenigen Jahren bei einem Gewitter ein Maissilo aus einer Rummel fortgeschwämmt wurde, die zuvor hundert Jahre kein Wasser mehr geführt hatte.
In früheren Jahrhunderten waren solche unglücklichen Ereignisse noch häufiger. Es fehlte der wasserspeichernde Wald in der damals stärker landwirtschaftlich genutzten Landschaft. So wurde die Brautrummel nach einem Brautpaar benannt, daß dort der Sage nach bei einem Gewitter ertrank.
Im Hohen Fläming gibt es zahlreiche Rummeln. Durch einige führen heute Wanderwege, so durch die Neuendorfer Rummel zwischen Neuendorf und Garrey und durch die Brautrummel bei Grubow.
30 Juni 2008 at 09:46.
Trockentäler, also Flußtäler die keinen Fluß besitzen, werden häufig als Kennzeichen eines Karstgebiets genannt.
Sie entstehen als Flußtäler zu einer Zeit, da das Gebiet noch oberirdisch entwässert. Dies kann durch einen entsprechend hohen Vorfluter sowie durch mangelnde Verkarstung und damit geringe Durchlässigkeit des Untergrundes begründet sein.
Wenn sich der Vorfluter, also das entwässernde Flußtal, schnell eintieft und ein Seitental aufgrund zu geringer Wassermenge nicht mithalten kann, verlagert sich der Grundwasserspiegel tiefer und das Tal fällt trocken. Vorrausetzung ist dabei natürlich auch eine vorangegangene Initialverkarstung im Bereich des Grundwassers, die bereits Klüfte erweitert hat und damit dem Wasser das Eindringen in den Gesteinskörper erlaubt. Das Wasser versickert und bildet unterhalb des Trockentales eine Karstgrundwasseroberfläche, die ein Bereich verstärkter Höhlenbildung ist.
Der Prozeß des Trockenfallens ist natürlich langsam, und so kommt es in der Übergangszeit zu verschiedenen typischen Karsterscheinungen. So kann es sein, daß das Tal im oberen Teil von einem Bach durchflossen wird, der dann in Schlucklöchern versickert. Auch intermittierende Schüttung kommt häufig vor.
Dabei wurde der Karstwasserspiegel bereits tiefer gelegt und das Tal ist trocken gefallen, aber während der Schneeschmelze und bei besonderen Niederschlagsereignissen kommt es zu einem Anstieg der Karstwasserspiegels, Quellen fangen wieder an zu schütten und das Tal besitzt wieder einen Bach. Erst wenn diese Phase beendet ist und der Karstwasserspiegel dauerhaft unterhalb des Talniveaus bleibt ist das Tal zum Trockental geworden.
Doch auch echte Trockentäler können in besonderen Fällen reaktiviert werden. In der Eiszeit war der Grund viele Meter tief gefroren. Der Sommer war zu kurz, um den Boden vollständig aufzutauen, so daß unter dem getauten Boden immer noch eine Schicht Eis liegt. Dieser Effekt wird Permafrost genannt. Der gefrorene Boden ist wasserdicht, da Eis die Spalten plombiert. Aufgrund des so abgedichteten Karstkörpers muß die Entwässerung sogar in einem Karstgebiet oberirdisch erfolgen! Durch die Stauung von Schmelzwasser und Regenwasser auf dem dichten Untergrund kommt es zu Solifluktion (Bodenfließen), wobei die Erde so stark mit Wasser angereichert ist, daß der Schlamm den Hang hinunter fließt. Dies wird durch Sonneneinstrahlung und die damit verbundene Erwärmung ausgelöst, so daß es vorwiegend an Südhängen passiert. Das Ergebnis sind ganz typische asymmetrische Talprofile, die sich in einem Karstgebiet nicht anders erklären lassen.
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