9 Juli 2008

Alpenrheintal

Geschrieben von reinxen under: Alpentäler; Flusstäler .

Entlang des Alpenrheins an den Grenzen der Schweizer Kantone Graubünden und St. Gallen, im Westen des Bundeslandes Vorarlberg (Österreich) und des Fürstentums Liechtenstein, ist das Rheintal gekennzeichnet durch seine dichte Besiedlung. Das Gebiet erstreckt sich von den Zusammenflüssen von Vorder- und Hinterrhein bis zur Mündung in den Bodensee über eine Länge von 90 km. Besonders das untere Ende des Rheintals ist dicht besiedelt, hier leben auch die meisten Einwohner.

Alpenrheintal Das Rheintal wird sowohl auf Schweizer als auch österreichischer Seite in ein unteres und ein oberes Rheintal geteilt. Die Staatsgrenze dazwischen bildet über weite Strecken der Verlauf des Rheins, in einigen Abschnitten, welche durch die Rheinregulierung von 1900 abgeschnitten wurden, weicht die Grenze vom jetzigen Flusslauf ab. Diese abgeschnittenen Mäandern werden Alter Rhein genannt und bilden noch immer die natürliche Grenze.

Als Grenze zwischen unterem und oberem Rheintal wird rechtsrheinisch allgemein der Kummenberg bezeichnet, linksrheinisch das Gebiet zwischen Diepoldsau und Kriessern. In beiden Fällen handelt es sich dabei aber nicht um politische Bezirke (die Schweizer Bezirke Unter- und Oberrheintal wurden 2003 aufgelöst). Auch das Fürstentum Liechtenstein wird in Ober- und Unterland als Wahlbezirke unterteilt. Die Unterteilung in Ober- und Unterrheintal definiert sich durch die Fließrichtung des Rheins von Süden (oberes Rheintal) nach Norden (unteres Rheintal). Das Rheintal befindet sich auf einer Meereshöhe zwischen 400 und 500 m und ist stellenweise bis zu 10 km breit. Flankiert wird das Tal von Gebirgszügen der Alpen mit teilweise über 2000 m Höhe (Alpstein, Liechtensteiner Alpen).

Als St. Galler Rheintal wird das linksrheinische Gebiet zwischen Sargans und der Rheinmündung bezeichnet. Es entspricht ungefähr den Schweizer Wahlkreisen Rheintal und Werdenberg. An den westlichen Hängen wurde ab dem 9. Jahrhundert viel Weinbau betrieben. Auch heute wird noch Wein produziert, allerdings hat der Weinbau seinen früheren Stellenwert verloren. Der dortige hochalemannische Dialekt ähnelt dem liechtensteinischen sowie dem vorarlbergischen Dialekt.

Das St. Galler Rheintal gehörte bis 1798 zu verschiedenen historischen Territorien:

* Vogtei Rheintal, 1491 bis 1798 eine Gemeine Herrschaft der Alten Eidgenossenschaft
* Grafschaft Sargans, bis 1798 eine Gemeine Herrschaft der Alten Eidgenossenschaft
* Amt Gams der Vogtei Windegg, bis 1798 Gemeine Herrschaft der Alten Eidgenossenschaft
* Grafschaft Werdenberg, bis 1798 ein Untertanengebiet des Kantons Glarus
* Herrschaft Sax, bis 1798 Untertanengebiet des Kantons Zürich

1798 wurden die linksrheinischen Gebiete zwischen den Kantonen Säntis und Linth der Helvetischen Republik aufgeteilt. Nach der Gründung des Kantons St. Gallen 1803 bildete das Rheintal von Staad bis Lienz den Bezirk Rheintal, Werdenberg, Wartau, Sax und Gams den Bezirk Werdenberg. Der Bezirk Sargans verlor Wartau, erhielt jedoch Quarten. 1831 wurde der Bezirk Rheintal in die Bezirke Unter- und Oberrheintal aufgeteilt, was 2003 im Rahmen der Neueinteilung des Kantons St. Gallen in Wahlkreise wieder rückgängig gemacht wurde.

Stark geprägt wird die Region vom Alpenrhein. Durch die Rheinregulierung um 1900 und 1920 wurde die größte Hochwassergefahr gebannt und dem Rhein sein heutiges Gesicht verliehen. Im Zuge dessen wurde der Lauf des Rheins verbreitert und einige der alten Flussschleifen, der so genannte Alte Rhein, in stehende Gewässer umgewandelt. Die Regulierung des Rheins und Wartung des Hochwasserschutzes ist aber weiterhin eine konstante Aufgabe. Da die Sicherheit vor einem Jahrhunderthochwasser heute nicht mehr gegeben ist, werden laufend Konzepte zur Renaturierung und Verbesserung des Hochwasserschutzes erarbeitet. Einen weiteren, wichtigen geographischen Aspekt des Rheintals bildet der Bodensee, der das Rheintal am unteren Ende abschließt und schon seit geraumer Vorzeit Menschen zur Ansiedlung im Rheintal bewogen hat.

5 Kommentare bisher...

9 Juli 2008 at 22:06.

Das Wetter im Rheintal ist im Allgemeinen dasselbe wie im ganzen süddeutschen Raum. Einige Besonderheiten sind allerdings der oftmals tagelang anhaltende Nebel, der besonders im Frühjahr und im Herbst das gesamte Rheintal bedeckt. Ein weiteres Merkmal des Rheintaler Klimas ist der starke Föhn, der schlechte Witterung oft verdrängt. Ansonsten ist die Temperatur im Rheintal besonders durch den Bodensee bestimmt. Im Allgemeinen werden im nördlichen Rheintal höhere Temperaturen erreicht als im südlichen Teil.

9 Juli 2008 at 22:07.

Die Region ist sowohl an das schweizerische (A13) und österreichische Autobahnnetz (A14), sowie im Anschluss an die A14, an das deutsche Autobahnnetz angebunden. Eine seit 25 Jahren projektierte Verbindung der beiden Autobahnen im Unteren Rheintal (die sogenannte A15 später S18), existiert bis heute nicht. Transitverkehr, Ziel- und Quellverkehr sowie der Urlauberverkehr bereiten allerdings zunehmend Schwierigkeiten (Feinstaubbelastung). Mehrere internationale Bahnlinien führen direkt durch das Rheintal, darunter die Strecke Zürich–München, sowie Zürich–Wien. Der ÖPNV ist nicht einheitlich organisiert, bietet jedoch grenzüberschreitenden Verkehr. Tarifverbünde existieren bisher erst innerhalb der nationalen Grenzen. Es existieren Pläne für die Einrichtung eines grenzüberschreitenden S-Bahn-Verkehrs.

Der Flughafen St. Gallen-Altenrhein ist der einzige internationale Flughafen der Region, bekommt aber zunehmend Konkurrenz durch den nahe gelegenen Flughafen Friedrichshafen. Sportflughäfen existieren unter anderem in Hohenems.

9 Juli 2008 at 22:08.

Die Region ist noch immer geprägt von der ehemals dominierenden Textilindustrie (Firmen wie Wolford zählen zu den größten Arbeitgebern). In den letzten Jahrzehnten gewann zunehmend der Sommer- und Wintertourismus an Bedeutung. Auch in anderen Sparten sind große, internationale Unternehmen in der Region angesiedelt.

Auf der schweizerischen Seite beträgt die Arbeitslosigkeit seit mehreren Jahren konstant rund 3,7 %.

Im Rheintal leben rund 440.000 Menschen, mit steigender Tendenz. Auf Vorarlberger Seite wuchs die Bevölkerung in den letzten 13 Jahren um 8 %.

2004 wurde von der Vorarlberger Landesregierung das Projekt Vision Rheintal initiiert. Ziel ist die Analyse des Ist-Zustandes und Erstellung eines Leitbilds, unter offener Beteiligung, zur räumlichen Entwicklung. Seit den 1960er Jahren hat sich insbesondere das Vorarlberger Rheintal weg von den abgegrenzten dörflichen Strukturen hin zu einem beinahe geschlossenen Siedlungsband entwickelt.

Eine häufig geäußerte Kritik an der Vision Rheintal ist die Ausklammerung der linksrheinischen, schweizerischen Gebiete.

9 Juli 2008 at 22:14.

Der Alpenrhein vom Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein bei Reichenau / Graubünden bis zur Mündung in den Bodensee bei Hard / Vorarlberg ist rund 90 km lang.

Einerseits verbindet der Rhein auf dieser kurzen Strecke mit der Schweiz, Liechtenstein und Österreich drei Staaten außerhalb und innerhalb der Europäischen Union.

Andererseits wirkt der Fluss bis heute noch immer als Barriere. Dabei sollte das Rheintal nicht nur aus ökologischer Sicht als ein Landschaftsraum betrachtet werden.

Verstärkte Kooperationen zwischen Gemeinden, Ländern, Kantonen und Staaten sind künftig notwendig, um den ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen begegnen zu können.

Einige jüngere Projekte haben sich diesen grenzüberschreitenden Ansatz bereits zu eigen gemacht.

15 Juli 2008 at 19:02.



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